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Rezension von 7. Himmel Mitarbeiterin Cora Diemer: Lügen über meine Mutter

Buch


„Lügen über meine Mutter“ von  Daniela Dröscher

Warum haben die Eltern von Daniela geheiratet? Das fragt sie sich immer wieder. Sie findet ihre Mutter hübsch und nicht zu dick, wie ihr Vater jeden Tag bemängelt. Er dominiert die Familie, demütigt seine Frau, will in der kleinen Gemeinde anerkannt und bewundert werden. Und er glaubt, nur wenn seine Frau rank und schlank wäre, würden die Kleinstädter das auch tun. Dabei ist er finanziell abhängig von der „Polackin“ wie seine Mutter sie immer wieder beschimpft. Tochter von Schlesiern, die sich nach dem Krieg in Deutschland angesiedelt haben und sich mit harter Arbeit ein Vermögen geschaffen haben. Da wird man neidisch auf den Pelzmantel, den die Schwiegertochter hat. Und das Kind Daniela immer dazwischen, da nützt es nicht, wenn es heißt: Nicht vor dem Kind! Natürlich bekommt sie alles mit, muss auch feststellen, dass sie dich auch manchmal für ihre Mutter schämt. Sieht wie sie leidet und kann nichts tun. Warum verlässt sie den Mann nicht, fragt man sich als Leserin immer wieder, der sie quält, betrügt und ihr Geld verschwendet. 

Die Zeit, in der dies passiert, hat damit zu tun, eine Zeit in der eine Frau noch abhängig war von dem Ehemann, der über sie bestimmen konnte. Und in der eine Frau nicht so einfach ihre Familie verlassen konnte.   Aber auch eine Geschichte von fehlendem Selbstbewusstsein und dem Wunsch, die Frau kleiner zu machen, damit man selber glänzen kann. 

Das Buch steht auf der Longlist des deutschen Buchpreises. Es hat mir sehr gut gefallen.  Zum einen ist es die Geschichte einer Familie, erzählt aus der Sicht der älteren Tochter, zum anderen reflektiert die Autorin in Einschüben über ihre Erinnerungen und ihre heutige Sicht der damaligen Geschehnisse.
Das Buch ist für €24 im Buchladen 7. Himmel erhältlich.